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Jüdisches Leben in Varel - Ein historischer Stadtrundgang

Jüdisches Leben in Varel

Der Arbeitskreis "Juden in Varel" hat eine Aufstellung erarbeitet, die beispielhaft aufzeigen soll, wo die jüdischen Familien lebten, wo sich die Handels- und Gewerbebetriebe befanden und in welchen Branchen die Unternehmer tätig waren, bis sie sich dem politischen und gesellschaftlichen Druck unter dem nationalsozialistischen Regime beugen mussten und auswanderten oder zwangsweise enteignet, deportiert und ermordet wurden. Zur Orientierung wurde ein aktueller Stadtplan verwendet.

Erläuterungen zu den verschiedenen Wohn- und Geschäftshäusern

1. Elisabethstraße 3:
Wohnhaus des Kaufmanns Sally Rose (1891 - 1968). Ihm gelang 1938 die Emigration mit Ehefrau Frieda (geb. 1898) nach Südafrika.

2. Osterstraße 10:
Synagoge, erbaut 1848, durch Brandstiftung zerstört in der Nacht zum 10. November 1938. Wohnung des Vorbeters und Lehrers David Bernheim (1865 - 1934) und seiner Frau Rosa (1872 - 1942). Sie wurde nach dem Synagogenbrand nach Berlin umgesiedelt und 1942 nach Maly Trostinez (bei Minsk) deportiert. Von den Beteiligten des Synagogenbrands wurden 18 ermittelt, nach dem Krieg vier Männer angeklagt, drei davon zu Haftstrafen verurteilt.

3. Haferkampstraße 8:
Geschäfts- und Wohnhaus des Kaufmanns Leo Deichmann (1853 - 1942), Einzelhandel mit Eisenwaren und Fahrrädern. Er hatte 1880 Wilhelmine Schwabe (1849 - 1939), eine Tochter des Joseph Baruch Schwabe, geheiratet. Bis 1937 lebte das Paar in Varel, dann Übersiedlung in ein jüdisches Altersheim nach Bremen.

4. Haferkampstraße 10:
Wohn- und Geschäftshaus (Textilhandel) der Kaufleute Jakob Moses Schwabe (1819 - 1881), Gustav Jacob Schwabe (1856 - 1933) und später Curt Schwabe-Barlewin.
Gustav Schwabe war 48 Jahre Synagogenvorsteher. Seine Kinder emigrierten 1938 in die USA. Das Haus ist 1974 abgerissen worden, heute befindet sich dort ein Parkplatz. Das Grundstück zog sich bis zur Gaststraße. Dort ist die Gartenmauer noch erhalten.

5. Neue Straße 6:
Hermann Pinto (geb. 1903), Viehhändler (1935 ausgewandert).

6. Neue Straße 1/Ecke Obernstraße (in der NS-Zeit Adolf-Hitler-Straße):
Robert Moses Schwabe (1858 - 1916) betrieb dort bis 1916 einen Textilhandel. Bruder von Gustav Schwabe (siehe Haferkampstraße 10).

7. Neumühlenstraße 6:
Wohnung von Mathilde Heynemann (1850 - 1931).

8. Neumühlenstraße 12 (in der NS-Zeit Hermann-Göring-Straße):
Textilgroßhandel von Eduard Visser (Wohnhaus Oldenburger Straße 39) und dessen Schwager Sally Rose (Wohnhaus Elisabethstraße 3).

9. Hansastraße 4:
Textilhandel Ludwig Frank (1885 - 1942). Frank emigrierte mit seiner Ehefrau Emilie (1888 - 1942) und Sohn Hans-Jacob (1913 - 1943) im Dezember 1938 in die Niederlande, im Oktober 1942 wurden sie nach Auschwitz deportiert und umgebracht.

10. Moltkestraße 30:
Wohnhaus von Fritz Schwabe (Sohn von Franz Moses Schwabe), 1935 verkauft.

11. Mühlenstraße 34 und 34a:
Wohnhaus von Erich Sternberg und Moritz Sternberg (1884 - 1928), beide Viehhändler.

12. Peterstraße 2:
Betrieb des Schlachtermeisters Nathan Levy Leeuwarden. Er lebte Anfang der 1920er Jahre mit seiner Frau Käthe und seinen Söhnen Harry, Erwin, Willy und Siegfried in Varel.

13. Parkstraße 1 (früher Marienlustgarten 16):
Wohnhaus von Max Moses Schwabe (Fabrikant),
Gustav und Frieda Blanche Schwabe und Rudolf Schwabe (Fabrikant).

14. Drostenstraße 2:
Gebrüder Lewin, Benjamin Lewin (geb. 1881), Schuhgeschäft, bis 1912. Übernahme durch Lesser (Leo) Neumann, Handel mit Schuhen, Herren- und Kinderkonfektion;
Geschäft geplündert in der Pogromnacht 1938, Emigration in die USA mit Frau Rosi.

15. Schloßstraße 6/Hindenburgstraße 3:
Textilhaus Weiß, heute Dieler. Ludwig Weiß betrieb das Textilhaus bis 1936, übersiedelte nach Bremen und wurde in der Nacht zum 10. November 1938 zusammen mit anderen Bremer Juden in das Konzentrationslager Sachsenhausen verschleppt. Dort starb er an Misshandlungen am 11. November 1938.

16. Schloßstraße 13:
Wohnung von Alexander und Betty Bukofzer und Tochter Alice (1930 bzw. 1933 umgezogen nach Berlin).

17. Schüttingstraße 13:
Wohn- und Geschäftshaus von Ernst Sally Weinberg und Schwester Henriette Weinberg, Produktenhandel (Altmetall, Felle), ab 1937 jüdisches Altenheim. Das Gebäude wurde mit alten und gebrechlichen Juden belegt, die überwiegend aus dem ostfriesischen Raum stammten. Die Geschwister Weinberg und 27 Bewohner wurden
im Oktober 1941 bzw. im Juli 1942 deportiert. Das benachbarte Haus Schüttingstraße 15 gehörte zeitweise ebenfalls in den Besitz der Familie Weinberg.

18. Lange Straße 57:
Färberei Sally Herzberg (bis 1937), dort lebten auch Heinrich und Elise Herzberg sowie deren Sohn Sally, dessen Frau Gertrud und Sohn Iwan.

19. Lange Straße 18:
Villa der Fabrikanten-Familie Simson Schwabe, letzter Besitzer Franz Moses Schwabe (Emigration). Sie betrieben eine Leder und Treibriemenfabrik (teilweise heutiges Famila-Gelände). In Erinnerung an den Firmengründer Simson Schwabe gründete die Familie 1900 eine Stiftung, deren Erträge Witwen und Waisen zukommen sollten, außerdem stiftete die Familie 5000 Goldmark für die Grosse-Stiftung, um ältere Bedürftige zu unterstützen.

20. Teichgartenstraße 4:
Wohnhaus von Fanny Schwabe.

21. Teichgartenstraße 9:
Wohnung der Arbeiterin Ellen Leffmann.

22. Windallee 36/Ecke Lohstraße:
Zunächst Wohnhaus von Hans und Betty Schwabe, Emigration nach England. Ab 1936 Dienststelle der SA-Standarte 19.

23. Menckestraße 3:
Wohnhaus von Sally (1849 - 1932) und Emma Deichmann (1856 - 1932). Weitere Gebäude außerhalb des Kartenausschnitts

24. Moorhausener Weg 2:
Wohnhaus von Willy Wolff (Viehhandel), gelangte 1939 in den Besitz der Reichsbahn. Bis Kriegsende Lager für Zwangsarbeiter.

25. Oldenburger Straße 39:
Wohnhaus von Eduard Visser (Kaufmann).

Jüdischer Friedhof Hohenberge
Der Friedhof wurde mit gräflicher Erlaubnis 1711 auf dem Rest eines Geestrückens eingerichtet. Im Mai 1942 fand die letzte Beisetzung statt. In den letzten Kriegsjahren wurde der Friedhof als Flakstellung missbraucht, außerdem die Grabsteine sowie Grabeinfassungen beschädigt und entfernt. Anfang der 1950er Jahre erfolgte eine Rekonstruktion. Durch die Zerstörungen während des Krieges stimmen die Grabsteine nur ungefähr mit den Grablagen überein.

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